Montag, 10. Dezember 2012

e-Books oder das traditionelle Papierbuch? - eine Frage der Form



Seit neuestem sieht man in den Öffentlichen eines immer öfter: das sogenannte e-Book. Vielen gefällt diese neue Technik nicht - warum? Und sind diese Gründe berechtigt?

Es ist nicht lange her, da bekam ich von meinen Freunden zum Geburtstag den Kindle eReader von Amazon geschenkt. Ich gebe zu, bis dahin war ich ein radikaler Vertreter der „Antiebookfraktion“. Wer etwas lesen möchte, also nicht nur so daher sondern mit vollstem Einsatz und ganzer Seele, der braucht ein echtes Buch, eines aus Papier. Es sieht doch nach etwas aus, wenn man ein Taschenbuch oder (für die ganz Noblen) ein gebundenes Exemplar in den Händen hält. Das fängt schon mit dem Kauf an. Wer ein Buch kauft, der informiert sich im Buchladen seiner Wahl, was ihm wohl am besten gefallen wird. Das Gespräch mit der Verkäuferin, das obligatorische Schmökern in der kleinen Leseecke - all das gehörte für mich dazu. Es soll Tage gegeben haben, wo ich das halbe Buch schon  las, bevor ich es überhaupt erstanden hatte, wenn ein Werk so fesselte, dass man schon gezwungen werden musste, es endlich zur Seite zu legen. 
Die Beziehung, die ich mit diesem Stück Papier einging, war wohl größer als eine, die ich zum gemeinen „Facebookfreund“ hege. 

Endlich gekauft und eingepackt ging es nach Hause mit einem Gefühl tiefer Spannung, was dieses Buch denn nun so bringen würde. Sobald ich zur Tür herein kam, gab es nur noch ein Thema. Vielleicht bekam ich gerade noch so einen schönen Kakao hin, doch gleich darauf gab es nur noch den Weg zur alten Lesecouch. Die Stunden vergingen und, wenn denn nicht am nächsten Tag eine schwere Arbeit in der Schule anstand, wurde dieses Wunder menschlichen Geistes noch in dieser Nacht verschlungen. Der nächste Tag begann am feingedeckten Frühstückstisch nicht mit Smalltalk. Nein, es gab nur noch ein Thema: Den Inhalt des Buches. Was ich meiner aufgrund des alltäglichen Morgenstresses manchmal mehr, mal minder interessierten Freundin bot, war keine bloße Nacherzählung. Mein Exkurs war so detailliert, dass sich die Frage, ob meine Freundin es  lesen sollte, erübrigte - sie wusste ja eh schon, was alles geschehen würde.

Seitdem ich nun dieses neue Teil besitze, ist diese Freude, dieser Spaß plötzlich verschwunden. Man betrachtet das Werk gar nicht mehr mit dieser Gier. Es ist halt da. Kurz bei Amazon geschaut, was mir denn vorgeschlagen wird, und schon hatte ich da schon einen x-beliebigen Krimi auf den Kindle geladen. Dann wurde sich kurz hingesetzt, reingelesen und irgendwie verflog die Lust nach wenigen Stunden. An den nächsten Tagen beendete ich das Werk und stellte es in meinen e-Bücherschrank zurück. Tja, das war es also. Und auf die Frage meiner Freundin hin, ob ich ihr das Buch denn empfehlen könnte, wusste ich keine Antwort. Wahrscheinlich war es wirklich nicht schlecht gewesen, aber die Leere nach dem Lesen war nicht verschwunden, sondern offenbarte sich jetzt noch mehr. Nichts war noch in meinem Kopf. Den Grundplot bekam ich ja noch hin, aber den Namen der Nebendarsteller - „Puuh, kann ich dir jetzt gerade nicht sagen.“ 

Vielleicht liegt es an mir, aber ein e-Book ist für mich etwas ganz anderes. Man stelle sich mal vor, wenn das Arbeitszimmer plötzlich nicht mehr mit Bücher gesäumt ist und ich auf die Frage, wo denn meine Bücher geblieben sind, kurz meinen e-Reader auskrame und mein virtuelles Bücherregal präsentiere. 


Doch so schlimm ist es ja gar nicht. Als Hasser dieses Fortschritts würde ich mich nicht bezeichnen, aber ein kleiner Konservativer steckt schon in mir. Bis ich soweit bin, dass ich auf einen eReader vollständig umsteige, wird wohl noch eine Ewigkeit vergehen, aber für den richtigen Inhalt wird er bei mir immer genutzt werden.

Dass man alte Klassiker, die keinem Urheberrecht mehr unterliegen, kostenfrei erwerben kann, ist ein wahrer Segen. Kafkas „Process“ las ich zuerst auf dem eReader. Welch Schande wird mir jetzt der belesene Germanist entgegnen, doch manchmal muss man sich den Appetit erst beim Essen holen. Danach kann man sich ein solches Werk immer noch in Schmuckausgabe kaufen. Jetzt steht eine schöne Gesamtausgabe Kafkas bei mir. 

Für weitere Dokumente, die man, leger formuliert, mal so nebenher lesen kann, ist es ebenso ein sinnvoller Gebrauchsgegenstand. Viele noch unbekannte Autoren veröffentlichen ihre neuesten Texte kostenfrei auf ihren Homepages. Da kann man schneller zugreifen und liest diese in einer langweiligen Vorlesung. So bin ich schon auf das ein oder andere unentdeckte Juwel gestoßen. 

Selbst pdf-Dateien, die man im Studium lesen sollte, kann man mit dem Kindle wirklich gut bearbeiten und lesen. Denn wer druckt sich bitte 34 Seiten einer wissenschaftlichen Arbeit aus, damit er sie einmal liest, darüber referiert und sie danach auf einen ewig größer werdenden Stapel von Dokumenten wirft, die man nach dem ersten Lesen nie wieder anfasst und die sich beim nächsten Aufräumen auf dem Weg zum Papiercontainer wiederfinden. 
Diese Vorzüge sind wohl für Reisende sehr positiv, dazu kommt, dass man so hunderte Bücher mit sich führen kann, ohne unter einem überschweren Rucksack erdrückt zu werden. 

Vor allem dieser Punkt brachte mich sonst immer ins Schwärmen, aber so positiv ist es bei näherem Hinschauen nicht mehr. Wer nimmt denn in den Urlaub 100 Bücher mit? Niemand. Ich selbst habe mir am Tag der Abreise noch meine 2-3 Bücher ausgesucht. Die Auswahl war groß, aber so war ich gezwungen, genau die auszusuchen, die mir am besten und wichtigsten erschienen. 

Die gute, alte Zeitung kann man auch lesen und, zugegeben, es ist wirklich schön, wenn man sich nicht die Arme bricht, wenn man umblättern möchte. Aber macht das nicht den Reiz einer Tages -oder Wochenzeitung aus? Ich selbst lese wöchentlich meine „Zeit“ - jeden Donnerstag nehme ich mir die Zeit und lese aus dieser. Riesengroße Seiten, die mich manchmal in den Wahnsinn treiben, wenn ich versuche voranzukommen. Aber diesen Charme, diese Mühe, dieses Gefühl hat nur eine Printausgabe und ich würde niemals meinen Kaffee nebst meinem Kindle zu mir führen, dazu gehört ein Buch oder eine Zeitung. Basta.

Kommentare:

  1. Richtig fesselnd! Auch wenn ich gern abwarte, habe ich schon jetzt das Gefühl, dass ich mit Freuden Ihren Blog weiterverfolgen werde.
    Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich mir einen 'Post' über ein bestimmtes Thema wünschen, trotzdessen,dass sie schon förmlich vor Ideen sprudeln. Wie wäre es also einen Artikel über 'Die moderen Welt- Werteverfall oder doch von positive Facetten gespickt?' zu schreiben? Mir ist im Klaren, dass dies sehr vielfältig ist und man damit locker einen Roman schreiben könnte, jedoch bin ich davon überzeugt, dass Sie, wie schon in diesem Eintrag,es genau auf den Punkt bringen können und ich würde mich sehr für Ihren Standpunkt und ihre Thesen interessieren.
    LG und willkommen!

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  2. Genauso sehe ich es auch mit dem e-book. Alles, was das Lesen eines Buches ausmacht, das gesamte Feeling, das es beinhaltet, fehlt dabei. Klar ist das Ganze moderner und passt vermutlich auch besser in diese schnelllebige, technische, computergesteuerte Welt.. etwas Altertümliches jedoch, ein bisschen Nostalgie ohne Technik, ist, zumindest auf diesem Gebiet, für mich eindeutig schöner. Es fühlt sich einfach besser an.
    Der Blog gefällt mir sehr gut und ich komme bestimmt wieder. Bis dahin wünsche ich eine zauberhafte Zeit.
    Liebe Grüße und auch von mir ein herzliches Willkommen.
    Petra

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