Weihnachtszeit - schönste Zeit? und Meine Geschenke


Das Jahr neigt sich dem Ende, Janus streckt uns sein Haupt entgegen und die menschlichen Geschöpfe pilgern auf den Weihnachtsmarkt - es muss wohl Weihnachten sein.

Eben erwähnter Janus, der römische Gott mit den zwei Köpfen, steht für das Ende und den Anfang von allem oder die Zwiespältigkeit der Dinge. Und diese Janusköpfigkeit empfinde ich zu Weihnachten. So schön kann es sein, wenn man an kalten Wintertagen Kaffee trinkend und Plätzchen knabbernd zu Hause sitzt und mit der Liebsten kuschelt; wenn man durch die Nachbarschaft und den kahlen Wald spaziert und sieht, wie der Winter Einzug gehalten hat. Schon allein die Vorstellung ist traumhaft. 

Gleichzeitig sieht man sie: diese „Romantiker“, die Glühwein schlürfend und Bratäpfel essend auf dem Weihnachtsmarkt stehen und im Gedränge wohl so etwas wie Geborgenheit spüren. Oder wie ich alljährlich nach Geschenken suchend durch zum Zerbersten gefüllte Innenstädte laufe und allmählich verzweifle. 

Doch so negativ ist es doch nicht, oder? Weihnachten ist doch die Zeit des Gebens und Schenkens. Und wie schön es doch ist, wenn man an jeder Ecke angekrächzt wird, ob man denn spenden wolle. Wenn ich Menschen helfen möchte, dann tue ich das, ohne dazu aufgefordert werden zu müssen. Zuletzt fragte mich ein aufgelöster Mann, offenbar aus dem östlichen Ausland stammend, ob ich zwei Euro für ihn hätte, damit er sich ein Straßenbahnticket leisten könne. Vielleicht war er ein Trickbetrüger, der es einfach auf das Geld gutherziger Menschen abgesehen hatte, aber ich gab es ihm trotzdem. Allein das Gefühl, das man hat, etwas Gutes getan zu haben, ist es wert, dass man hilft.

Zurück zu den Geschenken - irgendwie vermisse ich die Zeit, in der ich schon im Oktober wusste, was ich mir wünsche. Es waren materielle Dinge, Spielzeug oder Fußballtrikots, nun jedoch, einige Jahre gealtert, weiß ich, dass die große Erfüllung nur mit den kleinen Sachen  einhergeht. Deswegen habe ich mir eine Liste mit Dingen aufgeschrieben, die eher pragmatisch für mich sind, aber dennoch in meinem Leben fehlen. Unter anderem eine Kaffeetasse - so groß wie möglich. Man mag es nicht glauben, aber die größte Tasse von Starbucks kann mit bis zu 530ml Kaffee gefüllt werden. Der ist doch kalt, bevor man ihn ganz getrunken hat, möchtet ihr mir jetzt erwidern. Meine Eltern meinten das gleiche. Aber ich habe es Woche für Woche getestet. Nach meiner Vorlesung setzte ich mich manchmal in einen überteuerten Kaffeeladen. Dort las oder schrieb ich, was mir gerade in den Sinn kam. Immer bei mir: eine Tasse besten Kaffees in eben jener Tasse. Kalt wurde er während meiner Lektüre aber nie.

Was schenkt man den Eltern, die sich (fast) alles leisten können, was sie möchten. Auch hier muss ich zugeben, dass ich es mir sehr leicht gemacht habe. Flink gefragt und schon wusste ich, was meine Mutter wollte. Ein Buch? Ein BUCH! „Wie einfach“, dachte ich. Aber so schnell die Freude kam, so schnell war sie wieder vergessen. Habt ihr schon einmal von Wachtang Ananjan gehört? „Die Gefangenen der Pantherschlucht“? Selbst Amazon bat mir nur Angebote von Privatpersonen an, die sage und schreibe 40€ für dieses gute Stück wollten? Definitiv NEIN!

Aber so schnell wollte ich nicht aufstecken - Google ist mein Freund und nachdem ich das ein oder andere Antiquariat durchforstet hatte, fand ich ein gutes Stück - 20 €. Da spiele ich gerne mit. Und drei Tage später war das gute Stück mit besten Weihnachtsgrüßen bei mir. Einfach wunderbar. Und man wirft dieser bösartigen Firma kein Geld in den Rachen.

Was möchte ich damit sagen? 
Geschenke zu kaufen, schnell zu verpacken und zu verschenken funktioniert. Aber wenn ich meiner Mutter die Geschichte erzähle, wie ich an dieses armenische Buch aus ihrer Kindheit kam, wird sie sich umso mehr freuen, weil ich es mit Anstrengung nur für sie gesucht und gefunden hatte.

Und das ist es, worum es mir geht. Dass ich zur Weihnachtszeit meine Liebsten um mich habe und mit ihnen Zeit verbringen kann. Dass ich nach einem halben Jahr einen meiner besten Freunde wiedersehe, weil er weit entfernt studiert, und wir uns wie in alten Zeiten unterhalten können. Dass ich jemanden, und ich meine eine männliche Person, kennenlerne und wir uns auf Anhieb so gut verstehen, dass wir von um 21 Uhr bis um 2(!!!) Uhr über Skype telefonieren, obgleich er am nächsten Tag eine Klassenarbeit schreibt. 

Da merke ich, wie fröhlich mich die gehetzten Menschen machen. So fühlt man den Kontrast zu seinen Freunden umso stärker und ist umso glücklicher. 
Mit dieser letzten Janusköpfigkeit möchte ich diesen Text abschließen und allen Lesern eine wundervolle Weihnachtszeit wünschen. Verbringt sie, wie es euch glücklich macht. Ich danke euch, dass ihr meine Texte immer noch lest.

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